Die Geschichte der Schauinslandbahn

1893 stellte der „Stadtrath“ von Freiburg bei einer Besichtigung der Forst- und Fahrstraße auf den Schauinsland fest: „Dieser Berg muss der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.“ Ein kühner Einfall, der zunächst unmöglich erschien. Aber rund 30 Jahre später nahm die Idee Gestalt an. Erfahren Sie hier alles über die Entstehung dieser außergewöhnlichen und schon damals äußerst innovativen Seilbahn.

Border

Der Bau 1929 – 1930

Nach vielen Vorschlägen und Ideen zur Trassenführung wurde 1925 die Schauinslandbahn Studiengesellschaft ins Leben gerufen. Nach erfolgreicher Projektierung genehmigte am 7.8.1928 der Bauausschuß den Bau einer Seilschwebebahn auf den Schauinsland. Daraufhin wurde am 19.12.1928 die Schauinslandbahn Aktiengesellschaft gegründet, die neben der Kapitalbeschaffung auch für die Planung und Projektabwicklung zuständig war. Die Grundsteinlegung für das 2,15 Mio. Reichsmark teure Großprojekt war am 8.5.1929. Am 12.3.1930 kam die erste Seiltrommel mit einem Tragseil an der Laderampe für Möbelwagen am Freiburger Güterbahnhof an. Das enorme Gewicht von je 28 t pro Haspel konnte nur von einer starken Dampfwalze der Fa. Nickel & Seitz gezogen werden. Auf der gesamten Strecke dienen sieben Stahlstützen mit Zugseilrollen und Tragseilauflagen als Seilträger. Die größte Seilspannweite beträgt 734 m und die höchste Stütze ist 37,5 m hoch. Am 27.4.1930 – nicht ganz drei Monate vor der Eröffnung – wurden die letzten Arbeiten an den Stützen beendet.

Border

Die Eröffnung 1930

Großer Bahnhof in der Talstation. Zur Eröffnungsfeier am 17.7.1930 waren alle Verantwortlichen, viele Honoratioren und Ehrengäste geladen. Das Stadtgartenorchester unterstrich die feierliche Stimmung mit einem Divertimento von Wolfgang Amadeus Mozart bis zum Eintreffen der Kabine Nr.1. Sie schwebte langsam mit jungen Trachten-Mädchen aus Horben und Hofsgrund, von der Bergstation kommend, in der Talstation ein. Um 11.44 Uhr verließ die Kabine, dann besetzt mit Oberbürgermeister Bender und vielen Ehrengästen, zu den Klängen des Deutschlandliedes die Talstation zur ersten Bergfahrt. Die Schauinslandbahn ist die erste Großkabinen-Umlaufseilbahn der Welt, die große Menschenmassen befördern kann. Die Bahn war 1930 mit 10 „Wagen“ ausgestattet, die von einem Schaffner begleitet wurden. Jede Kabine fasste 23 bis 25 Fahrgäste und war nach der damaligen Meinung luxuriös ausgestattet. Pro Kabine gab es sechs Sitzplätze.

Border

Der Seilbahnbetrieb von 1930 – 1987

Die Schauinslandbahn, Attraktion und Anziehungspunkt, war in den 40er Jahren das schnellste Verkehrsmittel auf den Berg. Die Fahrzeit von 16 Minuten war unerreicht und verband die Freiburger mit der schönen Natur sowie mit allen Wander- und Wintersportmöglichkeiten.
Der Verkehrsverein Freiburg erwähnte bereits 1913 in einem Schreiben an den Stadtrat: „Mit dieser Bahn könnte man in kurzer Zeit und für wenig Geld ein Landschaftspanorama zeigen, wie es wohl in wenig Gauen Deutschlands geschaut werden kann“. Während des Krieges stiegen die Fahrgastzahlen dann auf 240.000, obwohl in den Jahren 1944 und 1945 wegen der permanenten Fliegerbedrohung nur nachts gefahren werden konnte. Gerade in dieser Zeit kam der Schauinslandbahn eine wichtige Aufgabe zu. Sie musste unter anderem die auf dem Berg eingerichteten Ausweichlazarette versorgen. Am 3. Dezember 1944 wurde die im Hotel Kyburg untergebrachte Universitätsklinik von Fliegern angegriffen. Trotz starken Sturms wurden noch in derselben Nacht über hundert Kinder mit der Schauinslandbahn in ein Notquartier auf den Berg befördert. Im Jahre 1957 wurde die Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Die Stadt Freiburg übernahm bis 1969 alle fremden Anteile und war somit alleinige Gesellschafterin. Auf Wunsch der Stadt übernahm dann 1982 die Freiburger Verkehrs AG die Gesellschaftsanteile der Schauinslandbahn und integrierte das Unternehmen in ihre Gesellschaft.
1971 konnte der 7 Mio. Fahrgast bei der Schauinslandbahn begrüßt werden. Doch 1986, nach 56 Jahren Betriebszeit und mehr als 12 Mio. beförderten Fahrgästen, musste aufgrund der grossen Defizite und der alten, dringend erneuerungsbedürftigen Kabinen über ein neues wirtschaftlicheres Bahnkonzept nachgedacht werden.

Border

Großer Umbau 1987

7 Jahre nach dem 50. Jubiläum kam am 11. Oktober 1987 der unvermeidliche Einschnitt. Die Aufsichtsbehörde erteilte keine neue Betriebserlaubnis mehr. Der Zahn der Zeit und starke Korrosion hatten den Kabinen zugesetzt, Steuer- und Sicherheitseinrichtungen waren nicht mehr auf dem neusten Stand. Die Freiburger Verkehrs AG als Betreiber entschied sich für den Umbau zu einer leistungsfähigeren und wirtschaftlichen Bahn ohne Schaffner und gegen die von Vielen aus Gründen des Denkmalschutzes geforderte Sanierung. Die Umbaukosten betrugen 9 Mio. DM. Die neue Bahn konnte am 6. Dezember 1988 von Oberbürgermeister Dr. Rolf Böhme eingeweiht werden.

Border

Umfangreiche Modernisierung 2012

Rund 25 Jahre nach den letzten Umbaumaßnahmen wurde Ende 2012 bis Mai 2013 eines der größten Bauvorhaben in der über 80-jährigen Geschichte der Seilbahn realisiert. Im Rahmen der Modernisierung wurden Elektrik, Antrieb und Bremsen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Außerdem wurden zwei der vier Tragseile zwischen Berg- und Talstation durch Seile mit integrierten Lichtwellenleitern ersetzt. Das gewährleistet eine leistungsfähige Datenübertragung zwischen Berg- und Talstation. Auch der Komfort für die Fahrgäste wurde nachhaltig verbessert: So werden beispielsweise mobilitätseingeschränkten Besuchern längere Einstiegs- und Ausstiegszeiten geboten, ohne dass dafür die Fahrtgeschwindigkeit auf der Strecke verringert werden muss. Das schwingungsfreie Halten der Kabinen ermöglicht außerdem einen sanfteren Ausstieg. Die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen kosteten rund 3 Mio. Euro.

 

Zum Presseartikel